Tarifrunde 2026: IG Metall fordert 5 % – was das für dein Gehalt bedeuten würde

Stand 23. September 2026: Das ist die Forderung der IG Metall – kein Tarifabschluss. Alle Beträge in diesem Artikel sind Rechenbeispiele auf Basis der Forderung.

Die Entgelttarifverträge der Metall- und Elektroindustrie laufen aus, die Tarifrunde 2026 beginnt. Die IG Metall hat ihre Forderung beschlossen: 5 % mehr Geld. Dieser Artikel erklärt, was genau gefordert ist, wann verhandelt wird und was die Forderung in Euro bedeuten würde – und er zeigt, wie weit Forderung und Ergebnis in den letzten Runden auseinanderlagen. Denn eine Forderung ist der Anfang einer Verhandlung, nicht ihr Ergebnis.

Das Forderungspaket

Die IG Metall geht mit vier Punkten in die Verhandlungen:

  • 5 % mehr Geld auf die Entgelttabellen.
  • Bessere Stellung der unteren Entgeltgruppen – eine soziale Komponente, die noch nicht beziffert ist.
  • Tarifliche Sicherung von Zukunft und Beschäftigung in den Betrieben.
  • Tarifliche Gewinnbeteiligung in Unternehmen, denen es besonders gut geht.

Hintergrund ist, dass die Lage der Branche sehr unterschiedlich ist: Die Automobilindustrie und der Maschinenbau stecken in der Krise, während Schiffbau, Schienenfahrzeugbau, Medizintechnik, Luft- und Raumfahrt sowie die Rüstungsindustrie boomen. Die Gewinnbeteiligung soll genau diese Spreizung auffangen.

Ebenso wichtig ist, was die Forderung nicht sagt: Sie nennt keine Laufzeit – also nicht, für wie viele Monate die 5 % gelten sollen – und keinen eigenen Betrag für Auszubildende.

Quelle: IG Metall – Tarifrunde Metall und Elektro 2026: Wir wollen 5 Prozent mehr Geld, sichere Jobs und Gewinnbeteiligung

Zeitplan der Tarifrunde

  1. Tarifkommissionen empfehlen, der Vorstand beschließt die Forderung
  2. Start der regionalen Tarifverhandlungen
  3. Entgelttarifverträge laufen aus, Friedenspflicht endet um 24 Uhr
  4. Ab jetzt sind Warnstreiks möglich

Eine Metall-Tarifrunde endet meist mit einem Pilotabschluss in einem Tarifgebiet, den die übrigen Bezirke dann weitgehend übernehmen. Alle bisherigen Abschlüsse und ihre Tabellen findest du unter Tarifrunden.

Was 5 % in Euro bedeuten würden

Die folgenden Tabellen rechnen die Forderung auf die heute gültige Tariftabelle – mit genau den Werten, die auch der Gehaltsrechner im Szenario „Forderung“ verwendet. Zuerst das Monatsentgelt je Entgeltgruppe im Referenzgebiet, dazu die Ausbildungsvergütung:

Baden-Württemberg: Monatsentgelt der ersten Stufe jeder Entgeltgruppe, heute und mit der Forderung gerechnet. Hervorgehoben: das Eckentgelt.
Entgeltgruppeheute (ab 01.04.2026)mit Forderung (+5 %)Differenz / Monat
EG 1 2.740,50 €2.877,53 €+137,03 €
EG 2 2.814,50 €2.955,23 €+140,73 €
EG 3 2.962,50 €3.110,63 €+148,13 €
EG 4 3.111,00 €3.266,55 €+155,55 €
EG 5 3.296,00 €3.460,80 €+164,80 €
EG 6 3.481,00 €3.655,05 €+174,05 €
EG 7 · Eckentgelt 3.703,50 €3.888,68 €+185,18 €
EG 8 3.962,50 €4.160,63 €+198,13 €
EG 9 4.222,00 €4.433,10 €+211,10 €
EG 10 4.499,50 €4.724,48 €+224,98 €
EG 11 4.796,00 €5.035,80 €+239,80 €
EG 12 5.129,00 €5.385,45 €+256,45 €
EG 13 5.462,50 €5.735,63 €+273,13 €
EG 14 5.795,50 €6.085,28 €+289,78 €
EG 15 6.129,00 €6.435,45 €+306,45 €
EG 16 6.536,50 €6.863,33 €+326,83 €
EG 17 6.906,50 €7.251,83 €+345,33 €

Die IG Metall will die unteren Entgeltgruppen besserstellen (soziale Komponente). Dafür gibt es noch keine Zahl – die Tabelle zeigt deshalb nur die gleichmäßigen +5 %.

Baden-Württemberg: Ausbildungsvergütung, heute und rechnerisch mit +5 %.
Ausbildungsjahrheute (ab 01.04.2026)mit Forderung (+5 %)Differenz / Monat
1. Jahr 1.303,50 €1.368,68 €+65,18 €
2. Jahr 1.377,50 €1.446,38 €+68,88 €
3. Jahr 1.488,50 €1.562,93 €+74,43 €
4. Jahr 1.563,00 €1.641,15 €+78,15 €

Die Forderung nennt keinen eigenen Betrag für Auszubildende. Die Zeilen zeigen nur, was +5 % auf die heutige Vergütung ergäben – ob und wie Azubis gesondert bedacht werden, ist offen.

Alle Werte sind auf Cent gerundet. Die offiziellen Tabellen nach einem Abschluss können anders runden.

Die Tarifgebiete haben unterschiedliche Tabellen. Hier das Eckentgelt in allen 15 Gebieten – und das Jahresbrutto inklusive aller Sonderzahlungen, denn T-Zug, Urlaubs- und Weihnachtsgeld hängen am Monatsentgelt und steigen mit:

Eckentgelt je Monat und Jahresbrutto in allen Tarifgebieten, heute (ab 01.04.2026) und mit der Forderung. Jahresbrutto mit den Standardwerten des Gehaltsrechners: Eckentgelt, regionale Leistungszulage, alle Sonderzahlungen, 35-Stunden-Woche.
TarifgebietEckentgelt heuteEckentgelt mit ForderungJahresbrutto heuteJahresbrutto mit ForderungDifferenz / Jahr
Baden-Württemberg 3.703,50 €3.888,68 €59.325,81 €62.292,18 €+2.966,37 €
Bayern 3.583,00 €3.762,15 €56.904,70 €59.749,94 €+2.845,24 €
Berlin TG I + Berlin/Brandenburg TG II 3.513,00 €3.688,65 €53.867,99 €56.561,39 €+2.693,40 €
Hamburg + Unterweser 3.572,00 €3.750,60 €52.815,38 €55.456,15 €+2.640,77 €
Hessen 3.288,00 €3.452,40 €50.417,86 €52.938,76 €+2.520,89 €
Niedersachsen 3.569,00 €3.747,45 €54.726,69 €57.463,02 €+2.736,33 €
Nordrhein-Westfalen 3.295,00 €3.459,75 €50.633,94 €53.165,63 €+2.531,70 €
Osnabrück-Emsland 3.569,00 €3.747,45 €54.726,69 €57.463,02 €+2.736,33 €
Pfalz 3.288,00 €3.452,40 €50.417,86 €52.938,76 €+2.520,89 €
Rheinland-Rheinhessen 3.288,00 €3.452,40 €50.417,86 €52.938,76 €+2.520,89 €
Saarland 3.288,00 €3.452,40 €50.417,86 €52.938,76 €+2.520,89 €
Sachsen 3.288,00 €3.452,40 €50.417,86 €52.938,76 €+2.520,89 €
Sachsen-Anhalt 3.382,00 €3.551,10 €51.859,25 €54.452,21 €+2.592,96 €
Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Nordwestliches Niedersachsen 3.572,00 €3.750,60 €52.815,38 €55.456,15 €+2.640,77 €
Thüringen 3.288,00 €3.452,40 €50.417,86 €52.938,76 €+2.520,89 €

Brutto ist aber nicht netto. Für die Referenzperson – Eckentgelt mit Leistungszulage – zeigt die nächste Tabelle, was vom Brutto-Plus nach Steuern und Sozialabgaben übrig bliebe:

Netto-Effekt der Forderung für das Eckentgelt in Baden-Württemberg inklusive Leistungszulage (4.259,03 € → 4.471,98 € brutto im Monat), je Steuerklasse. Beide Seiten mit den Steuerwerten 2026.
SteuerklasseNetto heuteNetto mit ForderungNetto-Plus / MonatNetto-ErhöhungAnteil am Brutto-Plus
1 2.743,93 €2.856,40 €+112,47 €+4,1 %52,8 %
3 3.080,35 €3.204,82 €+124,47 €+4 %58,4 %
4 2.743,93 €2.856,40 €+112,47 €+4,1 %52,8 %
5 2.397,85 €2.503,07 €+105,22 €+4,4 %49,4 %

Schätzung – keine Steuerberatung. Die tatsächlichen Werte können abweichen.

Netto steigt das Gehalt prozentual weniger als brutto, weil der zusätzliche Verdienst mit dem höheren Grenzsteuersatz belastet wird – die kalte Progression, ausführlich erklärt in Was bleibt netto?. Beide Seiten sind mit den Steuerwerten des laufenden Jahres gerechnet. Eine Erhöhung würde aber zum Großteil erst im nächsten Jahr wirken; dessen Grundfreibetrag und Tarifeckwerte würden das Ergebnis leicht verändern.

Der Rechner öffnet mit dem Szenario „Forderung“ vorausgewählt. Der Vergleich legt die Referenzperson einmal mit dem Abschluss und einmal mit der Forderung nebeneinander.

Forderung vs. Ergebnis: was frühere Runden gebracht haben

Wer die Forderung einordnen will, sollte auf die letzten Runden schauen. Die Tabelle stellt jeweils die Forderung dem Ergebnis gegenüber. Weil Forderungen für zwölf Monate gestellt werden, die Abschlüsse aber länger laufen und die Erhöhung in Stufen bringen, rechnet die Spalte „pro Jahr“ das Ergebnis auf ein Jahr um:

Forderung und Ergebnis der Tarifrunden 2022 und 2024 in der Metall- und Elektroindustrie. „Pro Jahr“: die zusammengerechneten Tabellenerhöhungen, verteilt auf die Laufzeit.
RundeForderungErgebnis (Tabelle)Pro Jahr: Ergebnis / ForderungWeitere BestandteileLaufzeit
2022 8,0 % für 12 Monate+5,2 % (06/2023), +3,3 % (05/2024)4,2 % / 8,0 %Inflationsausgleichsprämie 2 × 1.500 € (steuer- und abgabenfrei)24 Monate (bis 30.09.2024)
2024 7,0 % für 12 Monate, Azubis +170 €+2,0 % (04/2025), +3,1 % (04/2026)2,4 % / 7,0 %600 € Einmalzahlung (02/2025); Azubis +140 € (01/2025); T-Zug B 18,5 % → 26,5 % (ab 2026)25 Monate (bis 31.10.2026)
  • 2022: Pilotabschluss in Baden-Württemberg am 18.11.2022
  • 2024: Pilotabschluss in Hamburg am 12.11.2024

Quellen:

Die Tarifrunde 2021 fehlt bewusst: Sie war eine Corona- und Transformationsrunde ohne Tabellenerhöhung – stattdessen wurde das Transformationsgeld (T-Zug T) eingeführt. Mit einer prozentualen Forderung lässt sie sich nicht vergleichen.

In den letzten beiden Runden lag die Tabellenerhöhung pro Jahr deutlich unter der Forderung; dafür kamen Einmalzahlungen und andere Bestandteile hinzu. Das ist eine Beschreibung der Vergangenheit, keine Vorhersage für 2026.

5 % und die Inflation

Die IG Metall begründet die Forderung auch mit gestiegenen Preisen. So sieht die Forderung neben der Teuerung aus:

Forderung

+5 %

Tabellenerhöhung

Inflation 2025

+2,2 %

amtlich (Destatis, VPI)

Inflation 2026

+2,1 %

Prognose

Real, wenn voll erfüllt

+2,8 %

gegen Inflation 2025

Verglichen wird die geforderte Tabellenerhöhung mit der Jahresteuerung 2025 (letzter amtlicher Jahreswert) und 2026 (Prognose, noch kein amtlicher Jahreswert); gegen 2026 läge das reale Plus bei +2,8 %. Wie hoch die Preise in der Laufzeit eines neuen Abschlusses steigen, weiß heute niemand. VPI-Stand: 17.07.2026.

Der Blick auf ein einzelnes Jahr zeigt nur einen Ausschnitt. Über den langen Zeitraum liegt die Tariftabelle seit 2018 real im Minus, weil sie über die Inflationsspitze 2022/2023 eingefroren war – nachgerechnet im Artikel Entgelterhöhung vs. Inflation.

Häufige Fragen zur Forderung

Bekomme ich ab November automatisch mehr Geld?

Nein. Die Forderung ist der Ausgangspunkt der Verhandlungen ab 7. Oktober 2026, kein Ergebnis. Wie hoch eine Erhöhung ausfällt und ab wann sie gilt, steht erst mit dem Tarifabschluss fest – das Ergebnis kann später kommen, einen anderen Starttermin haben oder rückwirkend gelten.

Gilt das für mich?

Ein Tarifabschluss gilt in Betrieben, die an den Flächentarifvertrag der Metall- und Elektroindustrie gebunden sind oder ihn anwenden. Ob das bei dir so ist, steht in deinem Arbeitsvertrag oder weiß dein Betriebsrat.

Was ist ERA? →

Was ist die Friedenspflicht?

Solange ein Tarifvertrag läuft, darf über seinen Inhalt nicht gestreikt werden. Die Friedenspflicht endet am 31. Oktober 2026 um 24 Uhr; ab dann sind Warnstreiks möglich.

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